Archive | Juni 2012

Partizipation im Marketing

Natürlich können wir erneut den Konsumenten fragen, unter welchen Bedingungen würden Sie sich für Produkt xy entscheiden? Man kann aber auch Menschen direkt am Ideenprozess beteiligen.
℅5 verfolgt diesen Weg und hat im Auftrag einer Fischzucht das erste Aachener Anfühltraining durchgeführt.
20 Gäste aus verschiedenen beruflichen und privaten Hintergründen wurden zu einem 3-Gänge-Menü geladen. Jeder Gang verfolgte in der Form der Zubereitung und Inszenierung eine Marketingstrategie zum Thema Forelle.

Zwischen den Gängen wurden den Gäste Aufgaben gestellt, die sie allein oder in Zweierteams lösten: -Die Seilgrafik, eines unserer Werkzeuge zur kreativen Auseinandersetzung mit den Zukunftsthemen, schafft eine sichtbare Grundlage zur Erfassung eines Meinungsbildes und führt direkt in die Kommunikation über Aussage und Wirkung unter den Teilnehmern.
Für unser Forellenthema erhielt jeder Gast zwei farbige Garnrollen, mit denen er auf einer Holztafel  innerhalb vorgegebener Kriterien seine individuelle Strategie als Verkäufer entwickelte – in blau, und in der Rolle des Käufer die erste Kurve mit rot überschrieb. Dadurch gelang eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema. Eine abschließende Bewertung des Abends und der von ℅5 inszenierten Trendthemen fand in Zweierteams auf Stimmbrettern statt. Die Auswertung des Abends gibt Aufschluss geben über die zukünftige Marketingstrategie des Unternehmens.

℅5 schafft so einen Raum, in dem mögliche Strategien greifbar und sichtbar kommuniziert und dokumentiert werden und Teilnehmern eine aktive Position im Prozess ermöglicht.

Es war ein Abend für die Sinne und ganz im Sinne unseres Kunden, denn trotz Marketing und Aufgaben kamen Freude und Genuss nicht zu kurz!

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Das Anfühltraining 3

Gegrillte Forelle

Eine Studie besagt, dass die Deutschen am liebsten Fisch in stäbchenform essen, jedes Jahr 30.000 Tonnen. Kinder wachsen mit quadratischen Fischen auf ihren Tellern auf. Damit werden sie schon früh von natürlichen Lebensmitteln entfremdet. Doch unseren Jungs wird es langweilig am Tisch. „Ich will ganzen Fisch, am besten gegrillt!“, sagt Jan.

Endlich ist er nicht mehr dem Köcheln seiner Mutter ausgesetzt, sondern kann selber kochen und entscheiden, was auf den Teller kommt.

In seiner Küche wird gehackt, gewetzt und mit ganzem Körpereinsatz gewendet, ganze Tiere mit Knochen, ganze Fische mit Gräten, ohne viel Gedöns wird aufgetischt. Hauptsache gut gewürzt, ganzer Pfeffer – frisch gemahlen. Ein Mann ein Herd. Nicht irgendeiner, ein Gasherd. Die megascharfen Messer, sein Heiligtum. Schnell muss es gehen, die Spaghettipackung wird auf den Tisch geknallt, sie platzt auf, zack ins heiße Wasser rein. Die Tomaten werden mit dem Messer in sekundenschnelle, haarscharf an den Fingerkuppen vorbei, zerkleinert. No risk, no fun! Nach getaner Arbeit ist gut ruhn – die Küche gleicht einem Abenteuerspielplatz. Aber das ist ja kein Problem, denn morgen wird die Beute in der Natur gegrillt. Selbst geangelte Forelle. Beim Grillen kann Jan seine Urinstikte so richtig gut ausleben. Als Kontrast zu Feuer und Flamme das kalte Getränk – zzzzzzsch.

Das Anfühltraining 2

Ein Besuch beim Sternekoch

Erwartet wird von den kleinen Geschmacksknospen meiner Zunge so einiges: „…….Geschmacksexplosion…..fein abgestimmte und neuartige Kompositionen…….schmackhafte Gebilde aus einer Vielzahl von besten Zutaten…….spannende Konsistenzen und feinste Kräuter…….edelstes Tröpfchen Wein….“

„Darf es noch etwas mehr sein?“ fragt mein Bauch, als die kunstvoll und aufwendig drapierten Leckerbissen auf weißem Porzellan serviert werden. Mit dem passenden, polierten Besteck schiebe ich ein kleines Häppchen in den Mund, der obligatorische Griff zur gestärkten Stoff-Serviette, „hoffentlich klebt kein Krümelchen an meinen Lippen“, es wird bedächtig gekaut, „langsam… essen regt die Verdauung an und führt zu einer schnelleren Sättigung“. Dabei bleibt genug Zeit, um der passenden Musik zum kulinarischen Vergnügen zu lauschen. „Das Auge isst bekanntlich mit“ schlichtet dann der andere Gedanke und ich lasse jeden essbaren Schnipsel und Soßentropfen genüsslich auf der Zunge zergehen. Die weiße Tischdecke ist mit exquisiten Blumengestecken geschmückt, Kerzenlicht lässt die polierten Gläser noch mehr glänzen. Nach 15 Minuten ist mein Teller leer und ich fange an zu rechnen „Zutaten kaufen 1/2 Std. , zubereiten 45 Min. , drapieren 10 Min., Tisch herrichten 20 Min., servieren 5 Min. macht fast 2 Std, ui! Und spülen brauche ich heute auch nicht!“

Die Reise durch die Geschmacksvielfalt geht mit einem Gefühl der Leichtigkeit zu Ende, das Restaurant kann ohne Kneifen im Bauch verlassen werden, aber auch das Portemonnai ist um einiges leichter geworden, „Kunst an der Wand hat ja auch ihren Preis – Aber morgen, da gehen wir mal wieder so richtig gute Pommes mit Mayo essen, wa?“

Das Anfühltraining 1

Non ho l’età, non ho l’età per amarti

Gigliola Cinquetti 1964

Grand Prix Eurovision de la Chanson

Falls Sie leider nicht an unserem Training teilnehmen können haben Sie hier auf unserem blog die Möglichkeit, unsere 2. Maßnahme zum Thema „Ist die Forelle zukunftsfähig?“ zu verfolgen.
Forellenessen mit 20 Gästen. 2 Gang: Die Inszenierung,
No ho l´età  per amarti“- Ich bin nicht alt genug, dich zu lieben.

Noch nie ein Lied von  Gioglia Cinquetti gehört?
Dann sind sie wahrscheinlich zu jung für diesen Text. Gioglia Cinquetti ist blutjung – so nennt man das – als sie 1964 die  Bühne des „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ betritt  und für Italien den Titel „no ho l´età“ singt. Ein Schlager, der wirklich alles hat, um diesen Preis zu gewinnen: Eine Melodie, eine Idee, ein Arrangement und eine Sängerin, die Millionen Zuschauer an dem intimsten Momenten ihres Lebens teilhaben lässt. Zuletzt hatten wir dieses großgemeinschaftliche Erlebnis mit Frau Meyer – Landrut, der wir einen ergreifenden Moment lang tief in die ungeschützte Seele schauen durften.
Merken Sie es, es geht um große Gefühle: bunt, schrill,  Herz, Schmerz. Tun wir noch eine Schippe drauf- also Gioglia Cinquetti hat diese ehrlichste, klarste Sopranstimme der Welt und Rafaelo Siegelli hat ihr einen Text in den Mund gelegt – gewissermaßen den Subtext ihres eigenen Bildes. Das ist große Kunst oder zumindest perfekte Inszenierung. Aber bevor sie die auflösenden Worte „per amarti“ singt, hat der Arangeur auch noch diese Spannung, dieses kurze Vakuum an Kraft, Härte, Tiefe mit einem sicheren Griff in die Gefühlstrickkiste musikalisch gelöst. Wie mag er diesen Beat, diesen Kontrapunkt, dieses Geräusch erzeugt haben: ein Trockenes Klatschen, ein ganz tiefer Bass, schwärzer als die Kotteleten von Berlusconi. Technisch ein frühzeitiger Griff auf die digitale Generierung eines Klanges, formal der großmöglichste Spannungsbogen. Ob es sich in diesem Lied tatsächlich um opernfähige Realitäten handelt, die die Nennung dieser Person rechtfertigte, oder ob es in dem Lied um die höheren Sphären der Liebe geht, werden wir erst wissen, wenn uns die komplette Übersetzung des Liedes vorliegt. Herr Farinola vom Restorante Toscana aus Aachen, wird uns dabei sicherlich behilflich sein. Er kocht für uns den 2. Gang „Forelle al Lemone Verde“. Wir bereiten den angemessenen Rahmen.
Herr Berlusconi hat für diesen Abend leider abgesagt, da er sich auf Grund der politischen Ereignisse nun doch verpflichtet fühlt, einer älteren Einladung Carlas und Nicolas nach Paris zu folgen- wir haben vollstes Verständnis.